Jin-Kyoung Huh

SaRai

Jin-Kyoung Huh (KR)
an orange line passing through
the inverted bookshelf
installation, 2014
.

supported by Kulturamt Frankfurt:


Ausstellungskonzept & Koordination:
Jin-Kyoung Huh

Yasuaki Kitagawa (JP)
2.3.2 Die Spur, 2014
.
.
.

supported by Kulturamt Frankfurt


Ausstellungskonzept & Koordination:
Jin-Kyoung Huh

Goekhan Erdogan (DE)
untitled, 2014
.
.
.

supported by Kulturamt Frankfurt


Ausstellungskonzept & Koordination:
Jin-Kyoung Huh

Jin-Kyoung Huh (KR)
an orange line passing through
the inverted bookshelf
installation, 2014
.

supported by Kulturamt Frankfurt


Ausstellungskonzept & Koordination:
Jin-Kyoung Huh

Jin-Kyoung Huh (KR)
an orange line passing through
the inverted bookshelf
installation, 2014
.

supported by Kulturamt Frankfurt


Ausstellungskonzept & Koordination:
Jin-Kyoung Huh

l.: Oliver Tüchsen (DE)
Ein unbekannter Sog, 2014

r.: Marcus Gundling (DE)
Ohne Titel (Que Sera), 2014

supported by Kulturamt Frankfurt


Ausstellungskonzept & Koordination:
Jin-Kyoung Huh

Goekhan Erdogan (DE)
untitled, 2014
.
.
.

supported by Kulturamt Frankfurt


Ausstellungskonzept & Koordination:
Jin-Kyoung Huh

Yasuaki Kitagawa (JP), Goekhan Erdogan (DE), Marcus Gundling (DE),
Jin-Kyoung Huh (KR), Oliver Tüchsen (DE)

Ob wir hier vor Kunstwerken stehen, das wäre eine interessante theoretische Frage. Wichtiger als eine Antwort darauf wäre es aber, festzustellen, worum es sich denn bei den vorliegenden Arbeiten konkret handelt. Umgehen wir also zunächst die akademische Kunstfrage und bedenken unvoreingenommen, was fünf Kreative aus Frankfurts schöpferischen Kreisen uns vor Augen stellen. Allesamt sind Absolventen nahegelegener Hochschulen; sie stehen also mit beiden Beinen mitten im geistigen Diskurs der Gegenwart. Sie sind sich ihres Arbeitsansatzes als professionelle Künstler bewusst und schaffen nicht aus einer unbestimmten Gefühlslage heraus. Ihre Unternehmung besteht im Planen beinahe mehr als im Machen; die Gedankenfracht hinter der vordergründigen Anschauung ist mithin ihr Bearbeitungsziel und nicht das, was unser Auge mit Vergnügen am Nie gesehenen oder am Wiedererkennen wahrnimmt. Sie wollen hinter die Ebene der Retina, hinter die Ebene der visuellen Neugier in tiefere kognitive Bereiche, also in unser Bewusstsein eindringen. Wenn wir solcherart gedankliche, intelligente Werkvorschläge vor uns sehen, dann entspricht unsere Betrachterrolle, historisch beleuchtet, eher einer Ausstellung von Duchamp oder Man Ray, nicht einer von van Gogh oder Picasso: ästhetischer Genuss steht in diesen Modellen gegen gedanklichen Aufklärungsprozess.

Wie also gehen wir bei der Betrachtung vor? Analytisch, indem wir jede künstlerische Maßnahme, die ja eine Fiktion ist, vergleichen mit unserer realen Erfahrungswelt, um dabei notwendigerweise festzustellen, dass unsere Wirklichkeitswahrnehmung außer Geltung gerät. Was im Widerspruch zur Wirklichkeit steht, was uns ungewohnt oder anders vorkommt, das fällt nicht mehr in ein automatisch vorgegebenes Fach, sondern verlangt uns neue, originale geistige Ordnungsarbeit ab. Eine (kleine, modellhafte) Neuwelt ist entstanden, die wir selbst erst ordnen müssen, weil die gewohnten Schemata von Aktion und Reaktion, also die Norm, versagen.

Ist das etwas Besonderes? Ist das sogar provokativ? Nein, beides nicht! Denn in kleinen Schritten ändert sich die Lebenswelt, wenn auch unmerklich langsam, täglich, und was uns heute normhaft erscheint, hätten unsere Großeltern nicht verstanden (und umgekehrt). Allerdings hängt unser Orientierung schaffendes Bewusstsein am Bekannten — sonst würden wir in fremder Umgebung zugrunde gehen. Aber ebenso ist das Neue Teil geistiger Verarbeitung, die, weil sie unbequem ist, oft unwillig, aber notwendig vollzogen wird. Vor den Modellen solchen Verständniswandels, im Leben ein Prozess von vielleicht Generationen, in der Kunst in einem Werkgedanken konzentriert, stehen wir in der Ausstellung von Goekhan Erdogan, Marcus Gundling, Jin-Kyoung Huh, Yasuaki Kitagawa und Oliver C. Tüchsen. Sie fordert den Betrachter mittels ihrer innovativen Werke auf, Ordnung in ihm fremde Zusammenhänge zu stiften; das heißt, sie verkürzt und konzentriert und erklärt in wenigen musterhaften Momenten die Struktur geistigen Abenteurertums. Sie stellt ein Modell des Weltverhaltens auf, das den Menschen zum Menschen hat werden lassen, nämlich zum Schöpfer und Gestalter seines Lebens und seiner Welt — eben zum „Künstler“ in der täglichen Erschaffung des Neuen.

Die Arbeiten sind Vorschläge an den Ausstellungsbesucher; sie entstehen einerseits durch Künstlerarbeit innerhalb der Strukturen des vorgegebenen Raumes, anderseits als Prozess der Bedeutungssuche durch die Verstandesarbeit des Betrachters. Die Ausstellung ist so beschrieben, mehr als ein Schaufenster von warenhaften Werken. Sie ist ein künstlerisch ausgezeichneter Ort mit der Lizenz, Sinn zu stiften.

Text: Eva Huttenlauch, MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main

Vernissage: 29. 04. um 19 Uhr
Finissage: 27. 05. um 19 Uhr
Dauer: 30. 04. — 27. 05. 2014
Ort: Platform SARAI, Frankfurt

Mit freundlicher Unterstützung vom Kulturamt Frankfurt