Jin-Kyoung Huh

drüber drunter

painting: Jin-Kyoung Huh
2010 — 2014

photography: Bernd Thiele
1996 — 2014

Jin-Kyoung Huh

5 years skyblue Frankfurt
year: 2010 — 2014 (from left to right)
period: March 13 — 27, every year
time: 8 a.m. daily
place: Robert-Mayer Street, Frankfurt a.M.
medium: photography, digital editing and
... acrylic painting
size: 120 x 140 cm each piece

Jin-Kyoung Huh (KR) & Bernd Thiele (DE)

'drüber drunter' heißt die aktuelle Ausstellung von Jin-Kyoung Huh und Bernd Thiele in der Ausstellungshalle Schulstraße 1a in Frankfurt. — Wenn es drunter und drüber geht, dann zeigt diese umgangssprachliche Formulierung einen chaotischen Zustand an – vielleicht einen Urzustand, den eine schöpferische Kraft zu ordnen hat.

Es zeichnet den Menschen aus, dass er versucht, die Phänomene der Welt zu ordnen, zu beschreiben, zu katalogisieren und damit für sich verständlich und zugänglich zu machen. Die beiden konzeptuell arbeitenden Künstler widmen sich dem in ihren jeweiligen Langzeitprojekten mit Hingabe.

Um Wetterbeobachtung, Aufzeichnung und ein künstlerisches Ordnungssystem geht es in der Arbeit von Jin-Kyoung Huh. Die in der Ausstellung gezeigten fünf Acryl-Arbeiten sind zwischen 2010 und 2014 entstanden. Sie bilden eine Art Tagebuch. Die Künstlerin hat über fünf Jahre hinweg regelmäßig zwischen dem 13. und 27. März zu einer bestimmten Uhrzeit von ihrem Balkon aus die Farb- und Lichtwerte des Himmels aufgenommen und diese dann in Farbwerte ihrer Acrylskala umgesetzt. Das Ergebnis sind fast quadratische Streifenbilder, die an Arbeiten der Minimal Art erinnern. Abstrakte Bilder, die auf einer Umsetzung von gemessenen, gesehenen und erinnerten Werten basieren. Betrachtet man aber das Ergebnis des sehr rationalen und konzeptuellen Vorgehens der Künstlerin, stellt man fest, dass die Bilder ein Eigenleben entwickeln, einen eigentümlichen wolkigen Tiefenraum und sich tatsächlich etwas wie ein malerisches „Drunter und Drüber“ einstellt.

Ganz anders und doch ähnlich das Vorgehen des Künstlerkollegen Bernd Thiele, der seit zehn Jahren einmal wöchentlich ein von ihm aufgenommenes „Foto der Woche“ kürt. Bei ihm richtet sich der Blick nicht auf den Himmel, sondern auf die ihn umgebenden Dinge, Menschen und Situationen. Eines seiner Bilder zeigt beispielsweise eine schwarze Drei auf weißem Grund als Schild auf einem Fensterbrett in einem Treppenhaus. Ein eher beiläufiges Motiv, das mir der Künstler unter anderen Motiven seiner „Foto der Woche“- Reihe zuschickte. Es zeigt die Etagennummerierung im Treppenhaus des von der Evangelischen Akademie genutzten Bürogebäudes. Aus welchem Grund hat der Künstler das Foto aufgenommen, noch dazu als Foto der Woche? Ganz ähnlich die anderen Motive: Blicke in Cafés oder auf Bahnsteige, Schnappschüsse auf Partys oder in Ausstellungen, überquellende Mülleimer am Bahnhof und Ähnliches. Bilder, die ebenfalls eine Art Tagebuch bilden, das den Künstler über zehn Jahre lang verortet. Denk- und Merkwürdiges des Alltäglichen, für einen kurzen Moment herausgehoben aus der uns umgebenden Bilderflut, vielleicht bis zum nächsten „Foto der Woche“. Vielleicht aber entfalten auch hier die Bilder ein „Drüber Drunter“, zeigt sich wie in den Arbeiten von Jin-Kyoung Huh eine zweite Ebene jenseits der Oberfläche. In diesem Fall die Geschichten, die wir aus den Motiven heraus entwickeln und weiterspinnen. — Auch etwas, das den Menschen auszeichnet.

Text: Christian Kaufmann, Kunsthistoriker und Kurator

Vernissage: 25. 04. um 19 Uhr
Dauer: 25. 04. — 11. 05. 2014
Ort: AusstellungsHalle, Schulstr. 1A, Frankfurt